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"Es ist leichter,
einen Atomkern zu spalten
als ein Vorurteil"
Albert Einstein
Asyl:
Fakten gegen Vorurteile
1. Vor-Urteil:
Das Boot ist voll
- Deutschland verkraftet nicht mehr Menschen
Die Fakten:
Seit der Vereinigung leben in Deutschland 222 Einwohner pro
Quadratkilometer. Das Land gehört damit längst nicht zu den
dichtbesiedelten Ländern Europas. Würde sich die Einwohnerzahl um 3,5
Millionen erhöhen, dann käme Deutschland auf die Besiedlungsdichte
Großbritanniens (234 Einwohner pro qkm). Würden 20 Millionen Menschen
zuwandern, beliefe sich die Besiedlungsdichte auf 280 Einwohner pro
Quadratkilometer - damit wäre das Land immer noch weit von den
Verhältnissen in Belgien (325) und den Niederlanden (360) entfernt.
Andererseits schrumpft die deutsche Bevölkerung seit Jahren - außerdem
verlassen mehrere Hundertausende Ausländer jährlich Deutschland.
Experten rechnen vor, dass Deutschland eine Zuwanderung von über 300.000
Menschen pro Jahr benötigt, um die Finanzierung der Sozialsysteme zu
sichern. 1991 wanderten 480.000 Menschen zu, nur etwa die Hälfte von ihnen
waren Asylbewerber.
Vielfach werden Asylbewerber bei uns als "Scheinasylanten" beschimpft.
Das Diakonische Werk in Stuttgart dokumentiert folgende Fälle von
Asylbewerbern, die in Deutschland durch das Sieb des Asylverfahrens
fielen: eine iranische Frau, die wegen Ehebruchs gesteinigt werden sollte;
ein Kriegsdienstverweigerer aus dem Irak, der den Krieg von Saddam Hussein
nicht mitmachen wollte; eine kurdische Familie, die vor Angriffen mit
Giftgas durch irakische Truppen geflohen war; eine tamilische Mutter aus
Sri Lanka, der man ihr Kind aus dem Arm schoß und die anschließend
vergewaltigt und mit dem Tode bedroht wurde; ein Vater aus dem ehemaligen
Jugoslawien, der mit seinen beiden Kindern dem Bombenhagel von Ossijek
entkommen konnte.
Bei vielen Kritikern des angeblich zu liberalen deutschen Asylrechts
laufen diese Fälle unter "Missbrauch des Asylrechts". Für die meisten
Betroffenen bedeutet die Rückkehr in ihr Heimatland den sicheren Tod.
2. Vor-Urteil:
Die meisten Asylbewerber sind Wirtschaftsflüchtlinge
Die Fakten:
Richtig ist, dass von den Asylbewerbern letztlich nur wenig mehr als 20
Prozent als Asylberechtigte anerkannt werden. Der Grund liegt in der
strengen Auslegung des Asylrechts. So wird zum Beispiel drohende Folter im
Heimatland nicht als Asylgrund anerkannt. Außerdem kommt rund die Hälfte
aller Asylbewerber aus Kriegsgebieten wie Bosnien-Herzegowina oder Sri
Lanka. Sie erhalten kein Asyl, dürfen aber nicht abgeschoben werden, weil
Deutschland damit gegen die Genfer Flüchtlingskonvention der Europäischen
Menschenrechtskommission verstoßen würde.
Asylbewerber, die aus Armutsgründen oder über Schlepperorganisationen nach
Deutschland kommen, mag es geben, es handelt sich dabei aber um eine
kleine Minderheit. Diese Fakten zeigen, wie wenig die viel diskutierte
Änderung des Grundgesetzes an der gegenwärtigen Situation ändern würde.
3. Vor-Urteil:
Asylbewerber fressen den deutschen Staatshaushalt auf
Die Fakten:
Die Kosten für die Asylbewerber genau zu berechnen ist
schwierig. Offizielle Schätzungen belaufen sich auf Ausgaben von etwa vier
Milliarden Mark pro Jahr - im Durchschnitt belastet dies jeden
Bundesbürger mit 52 Mark pro Jahr. Dies ist nicht sehr viel, bedenkt man,
daß die Bundesbürger für ganz abstruse Staatsinvestitionen aufkommen
müssen, ohne dass Protest laut wird: z.B. bezahlen sie 43 Mark pro Jahr
für die Tilgung von Krediten, die für die geplante und inzwischen zu den
Akten gelegte Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf aufgenommen worden
sind, von den knapp 20 Milliarden Mark für den Golfkrieg ganz zu
schweigen. Gleichzeitig gilt diese Ausgabenrechnung nur für Asylbewerber.
Sind Ausländer erst einmal in unser Erwerbsarbeits- und Sozialsystem
integriert, dann sind sie für die Staatskasse und für die
Sozialversicherung ein großer Gewinn. Nach Angaben des
Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) zahlten
die Ausländer 1991 rund 30 Milliarden Mark in die deutsche Staatskasse und
in die Sozialversicherung. Außerdem sind sie wichtige Kunden für den
Handel.
4. Vor-Urteil:
Die Asylbewerber nehmen uns die Arbeit weg
Die Fakten:
Asylbewerber dürfen in Deutschland erst seit Juli 1991 arbeiten.
Seither haben sie Zumeist Jobs auf Bauernhöfen oder im schlecht entlohnten
Dienstleistungsbereich, zu denen sich Deutsche nicht bereit finden. Als
direkte Konkurrenten um Arbeitsplätze treten Asylbewerber deshalb nur
selten auf. Außerdem muss man bedenken, dass Asylbewerber weniger oder
keine Sozialleistungen mehr erhalten, wenn sie arbeiten.
5. Vor-Urteil:
Asylbewerber nehmen uns die Wohnungen weg
Die Fakten:
Asylbewerber wohnen nach ihrer Einreise in Gemeinschaftsunterkünften
und treten nur in Ausnahmefällen als Konkurrenten bei der Wohnungssuche in
Erscheinung. Sind sie als Asylberechtigte anerkannt, dann suchen sie eine
Wohnung und verschärfen auf diese Weise den Engpass auf dem Wohnungsmarkt.
Dennoch haben sie die Misere auf dem Wohnungsmarkt nicht verursacht. Sie
rührt daher, dass die Zahl der Single-Haushalte und die Ansprüche an den
Komfort der Wohnungen ständig wachsen, während in den vergangenen Jahren
immer weniger Wohnungen neu gebaut wurden. Die Mittel für Sozialwohnungen
wurden radikal gekürzt. Die Wohnungsnot spiegelt das Versagen der Politik
wider und kann nicht den Asylbewerbern angelastet werden.
6. Vor-Urteil:
Asylbewerber erhöhen die Kriminalität
Die Fakten:
Rein statistisch sind Asylbewerber überdurchschnittlich stark an
Gesetzesvergehen beteiligt. Die Statistik für 1991 enthüllt jedoch auch
den Grund dafür: 84.168 Asylbewerber wurden im vergangenen Jahr
verdächtigt, gegen das Asyl Verfahrensgesetz verstoßen zu haben, das ihnen
zum Beispiel verbietet, die Gemeinde zu verlassen, der sie zugewiesen
wurden. Verstöße gegen dieses sehr restriktive Gesetz sind leicht, sie
fallen jedoch kaum unter den Begriff "Kriminalität". Die Zahl der Fälle
von Rauschgifthandel lag dagegen bei 276 und war weit weniger spektakulär.
Ein Problem stellen Übergriffe einzelner Asylbewerber gegenüber Frauen
dar. Die Übergriffe resultieren aus dem Kulturschock dieser Menschen und
aus ihrer schwierigen Lebenssituation in den Sammellagern. Diese Erklärung
ist keine Entschuldigung - sie zeigt jedoch, wo eine entsprechende soziale
Betreuung der Asylbewerber ansetzen müsste, um dieses Problem zu lösen.
(aus: Publik-Forum: Dossier, Herbst 1992)
Eine Methode, bei der alle gewinnen:
Die
Zukunfts- und Ideenwerkstatt
Unsere Welt ist voller zur Zeit unlösbar erscheinender Probleme.
Genauso schlimm wie diese Probleme selbst ist die Tatsache, dass die
meisten Menschen nicht glauben, dass hier noch Lösungen möglich wären...
Multikulti:
Konflikte konstruktiv
Das Zusammenleben verschiedener
Kulturen ist keine Schmusegeschichte - Konflikte gehören zum Alltag.
Solange man noch zusammen daran arbeiten kann, ist alles in Ordnung...
Cool bleiben:
Medienschelte
Die Debatte - sofern man von einer Debatte sprechen könnte - wird ohne die
Betroffenen geführt...
Häufiger kontrollieren, öfter fündig werden:
Statistik schürt Angst vor Ausländern
Bei Asylbewerbern wird schon Fahrt in andere Stadt als Straftat
registriert...
hagalil.com
08-06-04 |